Zu Beginn

Leben und Erlebnisse des Grimo Steinklaue von Flagrazint,
Streiter der Zipik’yarr, Herrin der Schwerter,
welche man auch nennt Die Große Mantis,
und
Hüter des Schwerthauses zu Ligoros Grab.
Für seine Kinder von ihm selbst aufgeschrieben
ab dem 24. Jahr des Hasen seit letztem Aufbrechen der Welt.
☙ ☙ ❧ ❧
Meine geliebte Ixi – Iris Melixa,

meine geliebten weiteren Kinder, die ich noch haben werde, so die Götter es wollen!

In meinem 45. Lebensjahr beginne ich diese Aufzeichnungen, damit Ihr Euch ein Bild machen könnt, wer ich, Euer Vater, war, falls die Herrin Zipik’yarr und die stille Nuluna mich abberufen sollten, bevor Ihr ein verständiges Alter erreicht habt. Wir Menschen leben immer nur einen kleinen Schritt von der Ewigkeit entfernt. Ich will schildern, was ich weiß, erfahre und erlebe, so gut ich es verstehe, nicht mehr und nicht weniger. Eure Zuneigung oder Verstehen kann und will ich nicht erzwingen, und über mein Leben zu urteilen, liegt bei den Göttern.

Ich diene Zipik’yarr, der Großen Mantis, der Herrin der Schwerter. Ihr habe ich mein Leben geweiht, denn ich schätze Mut und Tapferkeit, freimütige Offenheit und das unverdrehte Wort, das Weiterleben der Helden in unseren Sagen, die hohe Kunst des Schwertkampfes und Lanzengangs, dazu das Einstehen für einander wie für sein eigen Wort, Blut und Tat.

Nach der Großen Mantis ehre ich Sabze, die Schlange, die Leben gibt, Welten gebiert und jeden Neubeginn segnet, denn sie zeigte mir mehr als einmal neue Wege, wo es nicht weiterzugehen schien, und eins der größten Wunder dieser Welt ist das Leben. Unbedacht und ohne Notwendigkeit soll man es nicht zerstören. Wer Leben nimmt, sei sich bewußt, was er tut, und tue es in Ehrfurcht.

Ich ehre Abiso, den Zwiegestaltigen, Wiesel und Elster, denn der Heilige Ligoro, dessen Grab und Tempel ich von nun an hüten darf, war nicht nur Zipik’yarr, sondern auch dem Gott der Händler und der Diebe lieb und wert. Noch habe ich zu lernen, wie das zusammenpaßt – Zipik’yarr und Abiso, meine ich.

Rongas gütiger Obhut vertraue ich meine geliebte Gefährtin Marsilea Filixmas – Eure Mutter – und Euch selber an. Sie weiß, wie schwer es mir oft fällt, Euch hintanzusetzen, wenn Zipik’yarr mich ruft. Aber der Mantis habe ich die erste und höhere Treue geschworen. So hoffe ich für Eure Mutter und Euch auf Rongas Schutz, wenn ich selbst ihn Euch nicht mehr geben kann.

Ich ehre Remanta, denn sie gab uns das Pferd und lehrte uns reiten.

Ich ehre Flanovaro, den Herrn der Winde, denn schnell wie die Winde macht er die Rösser, und oft begleitet er Zipik’yarr, wenn sie ihre Blitzschwerter tanzen läßt.

Ich ehre Kubu und Kubaja, denn sie bringen Freude ins Leben, das Lachen, den Tanz, den Rausch und jenes höchste Glück, das nur zwei Menschen gemeinsam erreichen können.

Ich ehre Giranno, denn er lehrte uns das Schwert ebenso zu schmieden wie den Pflug.

Ich ehre Nisaba, Hüterin der Zauber, die Marsilea, Eure geliebte Mutter, so gerne verwendet. Möge die Weise mir Verstehen und Einsicht geben!

Ich ehre Nuluna, die Leiterin und Hüterin der Seelen, wenn diese unsere sterblichen Körper verlassen.

Ich ehre Kamruscha, denn sie läßt Wunden heilen, und ihre Schwester Schanurka, denn sie sorgt für unser täglich Brot.

Ich ehre Teharacht, der sein Sonnenlicht in die tiefsten Abgründe wirft.

Ich ehre Guschilla für das lebensspendende Wasser.

Ich ehre ihrer aller Geschwister und Kinder, die uns Sterblichen Gutes tun, denn ohne sie wären wir Nichts.

2 Gedanken zu „Zu Beginn

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